Samstag, 4. Juni 2016

St. Irmgardis, 1. Klinikerin am Niederrhein Teil IV

"St.Irmgardis pflegt die Kranken und Armen" St.Clemens-Süchteln
Zu Teil III

St. Irmgardis, 1. Klinikerin am Niederrhein

(Köln um 1056 - 1085)

Krankenhaus an der Hacht, Hospital mit eigener Kapelle.


Nach den Enttäuschungen in Süchteln - wohl auch nach den Romreisen gelangte Irmgarids nach Köln, wo sie ein Haus südlich vom Dom "An der Hacht" besaß.

Bei ihrer großen Nächstenliebe und Opferbereitschaft für Kranke,
Arme und Sieche kam ihr die Idee, dieses Haus für Samariter-Zwecke auszubauen, hilfsbedürftige Menschen aufzunehmen, zu pflegen und daselbst Wohnung zu nehmen.

Für die Enrichtung eines solchen Krankenhauses bedurfte es einer staatlichen Konzession, die heute vom Regierungspräsidenten eines Landes vollzogen wird, damals vom Erzbischof von Köln. Zu Ihrer Zeit regierte in Köln Erzbischof Anno II. (1056-1075).

Lage des Hospital zum Heiligen Geist

In dem Verzeichnis "Köln im Mittelalter, Topographie und Verfassung", findet sich S.155 an 3. Stelle nach "Hospital der Kölner Kirche" (vor 866) und "Hospital von St. Pantaleon" (nach 965) das Hospital "Heilig Geisthaus (mit Kapelle)" (nach 1056).

Heilig Geisthaus (mit Kapelle) um 1840

Als Stifter wird Erzbischof Anno - nach 1056 - genannt. Es lag im Immunitätsgelände des Erzbischofs, doch wird Anno II. nicht als Gründer angesehen. Der Gründer sei nicht bekannt.

Aus der Lebensbeschreibung der hl. Irmgardis wiessen wir mehr. Fest steht, daß um 1056 ein "Heilig-Geist-Hospital" unter der Regierung Anno II. an der Hacht gegründet wurde. Da es aber bei seinen sonstigen Gründungen nicht genannt wird, muß er nicht der Stifter gewesen sein.

Wir wissen weiter, daß Irmgardis nach der Gründung dort viele Jahre das Krankenhaus geleitet und unterhalten hat. Sie starb dort "hochbetagt" und wurde von der Kölner Bevölkerung geehrt und geliebt, so wie Anno II. gefürchtet wurde.

Die Holzschüssel - vermutlich das Geschenk einer hohen Persönlichkeit an Irmgardis - weist durch spätere Umschrift auf die Art ihrer Tätigkeit, nämlich die Speisung ihrer "Cleintes stilentes" (dahinsiechende Schützlinge) hin.

Das Hospital zum Heiligen Geist hat immer am Domhof gelegen. Es muß großen Umfang gehabt haben, da es ausgedehnten Eigenbetrieb mit Bäckerei und Brauerei (?) hatte.


Das Hospital zum Heiligen Geist musste dem Hotel Dom Hof am heutigen Roncalliplatz weichen:

Hospital zum Heiligen Geist heute Hotel Dom Hof


Im weiteren Verlauf der Jahrhunderte ergaben sich:

1267 das Hospital kommt aus kirchlichem in städtischen Besitz.
Kirchlicher Besitz war zu dieser Zeit steuerfrei, die Leitung übernahm die "magistri provisores"

1315 Dietrich von Cleve, Graf zu Hülchrath, verleiht dem Hlg. Geisthaus auf dem Domhof zu Köln verschiedene Freiheiten.

1463 Ein Teil des Hauses mit Kapelle fällt einer Feuerbrunst zum Opfer.

1478 Neubau mit Kapelle.

1614 Größerer Umbau - große Speicherräume zur Aufbewahrung des Getreides und ein Gewölbe für das Archiv werden erstellt.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hat das Haus noch bestand.

Der berühmte Arzt Dr. R. Virchow (1821-1902) sah in den Hlg. Geist-Hospitälern die Grundlage zur Entwicklung der heutigen Krankenhäuser.

Entnomen aus 
"St Irmgardis Herrscherin und Heilige vom Niederrhein"
Margret Riedel 1985

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen